Headergrafik
Unsere Tour de France 2004

Finale in Paris

Wir wurden 2 Uhr morgens unsanft von einem Gewitter geweckt. Das artete schließlich noch in Hagelschauer, mit bis zu 3 cm großen Hagelkörnern aus. Auf den ersten Blick schien der Hagel, vor allem am Auto, keinen Schaden gemacht zu haben. Zu Hause entdeckten wir aber dann doch etliche Beulen als Urlaubsmitbringsel. Später am Morgen war alles wieder gut und wir brachten das Zelt sogar trocken ins Auto. Wir hatten uns überlegt bei dieser Etappe zur Verpflegungskontrolle zu fahren Officiel 1, J.M.Leblancund die Vorbeifahrt dort zu erleben. Die Verpflegungszone war vor der Ortschaft Lavans lés St. Claude im Juragebirge eingerichtet und insgesamt, wie üblich, 3 km lang. Als wir dort ankamen, waren wir total überrascht, dass die Straße schon von Wohnmobilen und Autos gesäumt war, von denen bestimmt einige seit dem Vortag dort standen. Dass selbst bei so einer einfachen Durchfahrt hunderte Leute stehen, hätten wir auch nicht gedacht. Dadurch, dass die Zone so lang ist, weiß man natürlich nicht wo die Teams sich platzieren um ihre Fahrer zu versorgen. Wir standen ziemlich am Ende der Zone und haben keine Proviantübergabe mehr gesehen, nur noch kauende Fahrer. Doch erst mal hieß es ein Nickerchen im Auto machen, es regnete noch, dann was zu Mittag gekocht und beim Nachbarn im Fernsehen den Zwischenstand geschaut. Bei der Werbekarawane blieb diesmal wenig für uns übrig, es gab jede Menge Rentner und Kinder, die sich um die give-aways prügelten. Was wir bekamen, waren wieder rotgepunktete Champion Mützen und Schlüsselanhänger. Dann hörte man schon die Hubschrauber und es kam die erste Gruppe. Zu der gehörten Mercado, Garcia Acosta, Lotz, Joly und Flecha. Das Hauptfeld, unter Kontrolle von US Postal und mit einem Basso, Armstrong, Moreauentspannten Lance Armstrong kam über 11 min später. Dann sahen wir zu, dass wir wegkamen, vielleicht schaffen wir es noch zum Ziel. Von der guten Stunde die bis dahin noch Zeit war, verging eine halbe bis wir aus dem Abfahrtsgewühl heraus waren. Schließlich mussten noch einige französische Sonntagsfahrer überholt und ein Sperrschild überfahren werden bei der Einfahrt in die Stadt. Wir schafften es aber tatsächlich noch vor dem Feld in Lons-les-Saunier zu sein und erreichten die abgesperrte Strecke kurz vor der Flamme rouge. Das Spitzensextett war zerfallen, die Führenden hießen Mercado und Garcia Acosta. Die beiden gingen auch zuerst auf den letzten Kilometer, gefolgt von den anderen vier Ausreißern mit 20 Sekunden Rückstand. Mercado gewann die Etappe. Das Hauptfeld erreichte mit 11 Minuten Rückstand den Kreisverkehr an dem wir standen und schoss bei der Ausfahrt nur wenige Zentimeter an uns vorbei. Dabei sollte niemand der Zuschauer was durch die Gitter stecken oder sich zu weit darüber lehnen. Es dauerte dann noch eine Weile bis die Gitter zur Seite geräumt waren und wir wieder fahren konnten, wir mussten quer durch den Ort zur Autobahn nach Norden. Auf der kamen wir noch bis Dijon. Am Stadtrand war ein riesiges Gewerbegebiet und Shoppingcenter. Da wollten wir eigentlich Sprint mit Zabel & Co.wieder ins Formule 1 Hotel, aber keine Chance, alles ausgebucht, ebenso wie die Dutzend anderen Hotels und Motels drum herum. Als einziges gab es Zimmer für über 60 €, aber das wollten wir wieder nicht. Etwas verzweifelt fuhren wir erstmal ein Stück weg von der Vorstadt, hinauf in die Dörfer. Als Erstes kamen wir an Corcelles vorbei und ich dachte, fahren wir doch mal ins Dorf rein. Tatsächlich gab es einen Gasthof mit Hotelschild. Die Wirtin war gar nicht auf Gäste eingestellt, im Zimmer lag noch ihre Bügelwäsche. Es war etwas rustikal eingerichtet, mit Möbeln aus Omas Zeiten, aber völlig ausreichend. Zudem war das Zimmer mit 16,10 € das billigste was wir überhaupt hatten. Weil die Hauptstraße am Ort vorbeiführt und die meisten sowieso unten in Dijon übernachten, kommt wahrscheinlich hier keiner mehr vorbei. Am Abend fuhren wir noch mal durch die Gegend auf der Suche nach einem Restaurant. Wir mussten bis in die Vororte von Dijon zurückfahren um wenigstens eine Pizzeria zu finden. Überall sonst war es wie ausgestorben.

18.Etappe     Mercado   McEwen
Annemasse - Lons-le-Saunier     Armstrong   Virenque

Im Gasthof gab es kein Frühstück, deshalb sind wir gleich losgefahren und haben dann auf der Autobahn Frühstück gemacht, sprich auf einem Parkplatz Kaffee gekocht und die restlichen Vorräte aus dem Kofferraum vertilgt. Weiter ging's direkt nach Paris. Die Peripherie erreichten wir gegen Mittag. Der Verkehr wurde dichter, aber einem Blick auf den in der Ferne auftauchenden Eiffelturm kann man sich nicht entziehen. Wir hatten dieses eine Mal reserviert und zwar auch ein Formule 1 Hotel. Dabei gingen wir folgendermaßen vor - Internet, Formule 1 Hotels Paris gesucht, auf dem Stadtplan geschaut ob es im Süden liegt, dann ob eine Metro Station in der Nähe ist. Wir entschieden uns für das Hotel Porte de Chatillon an der Peripherieautobahn im Süden von Paris. Die Metrostation Porte d'Orléans war 10 min Fußweg entfernt. Das Zimmer kostete 38,- € pro Nacht. Hoher Preis für ein Formule 1 Hotel aber für Paris akzeptabel würde ich sagen. Parken war mit 16,- € pro Tag im benachbarten Parkhaus auch recht üppig. Vielleicht findet man irgendwo einen Parkplatz, aber das wollten wir nicht riskieren. Notre DameDas Hotel fanden wir sofort, südlicher Autobahnring Richtung Westen (Périphérique Ouest), Abfahrt Porte de Chatillon, keine 100 m entfernt. Wir mussten das Auto ins Parkhaus stellen und dann erst zum Einchecken gehen. Mit der Reservierung ging das alles in 2 Minuten und wir hatten das übliche Standard Zimmer. Einziger Unterschied zwischen den ländlichen Formule 1 Hotels war, das es in Paris ein moderner, mehrstöckiger Bau war und keine Container. Aber der Zimmerstandard und die Duschen waren die gleichen wie überall. Etwas später gleich zur Metro gelaufen und ins Zentrum gefahren. Wir kamen an dem Wochenende mit einem 10er Pack Fahrscheine aus, die sind etwas billiger als Einzelfahrten (un carnet de billets). Aussteigen bei Notre Dame (Metro: Cité) und da hat man es gleich wieder dieses kribbelnde Gefühl in einer der schönsten Großstädte der Welt zu sein. Wir machten eine ausgiebige Fototour rund um die Ile de la Cité und Ile St. Louis, waren auf dem Dach vom Samaritaine und genossen die Aussicht (Panorama). Die Dachterrasse des Kaufhauses ist ja mittlerweile kein Geheimtipp mehr, Zutritt zwar nur, wenn man was verzehrt, aber wer will das bei einem Selbstbedienungsimbiss kontrollieren. Weiter ging unsere Auffrischungstour zum Louvre, durch die Tuilerie Gärten zum Place de la Concorde wo man schon Hindernislauf absolvieren musste durch die Absperrungen für den Sonntag. Auf den Champs Élysées standen auch schon die Tribünen, die gleich vom Nationalfeiertag stehen bleiben. Am Triumphbogen war eine Kriegsveteranenveranstaltung. EiffelturmZusätzlich wurde rund um den Arc de Triomphe die Straße neu gepflastert, was den Zugang arg beschränkte. Wir schwenkten ab Richtung Eiffelturm und fanden in der Avenue Kléber endlich ein Restaurant fürs Abendessen. Dann endlich der herrliche Blick auf den Eiffelturm in der abendlichen Sonne. Wir sahen unter dem Eiffelturm sehr viele Leute stehen, später stellte sich heraus, dass der Turm evakuiert war, weil ein Verrückter am oberen Drittel außen herumturnte. Der wollte bloß Aufmerksamkeit, wenn er hätte springen wollen wäre Möglichkeit genug gewesen, obwohl ihn dann die erste Plattform bestimmt „aufgefangen“ hätte. Die Sicherheitskräfte konnten aber scheinbar auch nicht rankommen an den Typ, alle Versuche ihn rein zu ziehen schlugen fehl. EiffelturmWir beobachteten das Treiben eine Weile, aber es wurde klar das an diesem Tag kein Raufkommen mehr war. Das Gelände war abgesichert von Soldaten mit Maschinengewehr. Unter dem Turm ist mittlerweile eine ständige Sicherheitsstation der Armee eingerichtet. Ebenso ist Parkverbot rund um den Turm, dort wo früher immer die Reisebusse parkten ist alles abgesperrt. Man hat Angst um sein Wahrzeichen. Es wurde langsam dunkel, wir liefen zur Metro und machten uns auf den Heimweg. (mehr Paris, mehr Bilder)

19.Etappe     Armstrong   McEwen
Besançon - Besançon     Armstrong   Virenque

Wir gingen frühstücken in eine Brasserie. Das war aber kein gutes Geschäft, für zwei Milchkaffee und zwei Croissannts zahlten wir 12 €. Unser Ziel am Sonntagvormittag war Montmartre. Es war auch gar nicht so viel los dort und wir konnten ganz entspannt die Gegend um Sacré Cœur genießen. Von da liefen wir runter zum Friedhof von Montmarte, der ist wohl nicht so bekannt wie der Friedhof Pére Lachaise, aber trotzdem einen Besuch wert. Als bedeutende Grabstätte für Deutsche kann man die von Heinrich Heine besuchen. Am Moulin Rouge stiegen finale Etappewir in die Metro und fuhren zum Place de la Concorde und an die Strecke. Es war gegen 14 Uhr und auch schon entsprechend viel los, man kam schon schwierig aus der Metro Station raus, weil die Leute schon überall standen. Wir liefen durch die Tuilerie Gärten zum Louvre, ich hatte mir gedacht ein Platz bei der Einfahrt in den Tunnel wäre interessant. Erstmal sieht man die Fahrer die ganze Uferstraße kommen und dann müssen sie auch in der Kurve etwas abbremsen. Einfahrtstrecke war die Rue de Rivoli auf der anderen Seite. Wir postierten uns hinter einer belgischen Familie, über die Köpfe der Kinder konnte man drüberschauen. Ein Platz am Zaun direkt war nicht mehr zu bekommen. Aber wer weiß wie sich das dann in der Hysterie entwickelt. Das Warten war anstrengend, es gab auch keine Werbekarawane mehr auf unserer Seite, die fuhren nur nach der Einfahrt in die Runde ins Ziel und kamen nicht mehr vorbei. Zwischendurch kamen immer mal wieder Tourfahrzeuge Lance in Goldgelbvorbei die Promis chauffierten. Wir erkannten Will Smith, der in Europa war wegen seinem Robot Film. Die Fahrer ließen sich verdammt viel Zeit, 45 min hinter dem Zeitplan kamen sie erst gegen 17:15 Uhr im Rundkurs an. Die 50 min mit den 7 Vorbeifahrten bei uns verging dann wie im Fluge. Wir schafften es auch uns an den Zaun ranzudrängeln und hatten somit beste Sicht. Jedes Mal wurden die Fahrer kräftig bejubelt. Das Feld zog sich ziemlich in die Länge aufgrund der hohen Geschwindigkeit die sie fuhren. Man bekam vom Zieleinlauf natürlich nichts mit. Wer mitgezählt hatte lief dann langsam nach Hause, andere warteten noch bis sie von der Gendarmerie gesagt bekamen das wirklich Schluss war. Eine Ehrenrunde gab's nur auf den Champs Élysées. Nach dem Gedränge marschierten wir Richtung Eiffelturm, vielleicht hatten wir an diesem Tag Glück. Allerdings standen sehr viele Leute an den Fahrstühlen an, nicht so viele wie damals vor 6 Jahren aber doch zu viel um nach diesem Tag Einfahrt Tunnelnoch mehr zu stehen. Wir schauten am Südpfeiler wo die Treppe ist. Da waren lange nicht so viele Leute und wir nahmen auch den Fußweg nach oben (3,50 € p.P.). Das ist nicht so schlimm wie man denkt, man kann sich ja Zeit nehmen und auch immer wieder rausschauen. Die Treppe ist nicht nach unten offen wie viele befürchten sondern richtig zugebaut. So gelangt man über die erste Etage bis zur zweiten. Nach ganz oben kann man dann dort noch Tickets für den Lift kaufen. Da sieht man allerdings auch nicht mehr. Uns reichte die Aussicht von der mittleren Plattform bei herrlicher Abendsonne. Der Eiffelturm warf einen Aussicht Eiffelturmprima Schatten auf die Stadt (Panorama). Nach diesem gelungenen Abschluss fuhren wir mir der Metro Richtung Hotel. An der Endstation war gleich ein Restaurant, wo wir noch Essen waren. Das Essen in Paris ist gar nicht mal das teuerste, die Getränke machen den Preis aus. Was wir dort für ein großes Bier bezahlt haben, kann man gar nicht erzählen. Auf der Rechnung waren die Getränke jedenfalls teurer wie das Essen, was meist ein günstiges 3-Gänge-Menü (12 €) war.

20.Etappe     Boonen   McEwen
Montereau - Paris     Armstrong   Virenque

Fin de CourseAm Abreisemorgen nahmen wir das Frühstück im Hotel. Das war eigentlich ganz gut, Kaffee, Orangensaft, Brötchen, Toast, Marmelade usw., aber wenn wir es immer gehabt hätten, wäre es einem schnell über geworden, weil es eben immer das gleiche ist. Dann kam die Abrechnung am Parkhaus, der Automat nahm weder Scheine noch akzeptierte er unsere Karten. Eigentlich blöd wo doch viele Hotelgäste dort für länger parken. Also mussten wir an der Rezeption Geld wechseln, ich sagte: 30 € in 2 € Münzen bitte, die schauten blöd, aber was soll man machen, wenn die keinen ordentlichen Kassenautomat da hin stellen. Dann gings auf die Autobahn und auf direktem Weg nach Hause. 9 h 40 min reine Fahrzeit für 1100 km, ging ohne Probleme. Zwei Wochen, die teilweise anstrengend waren, aber sich auch auf jeden Fall gelohnt haben, waren zu Ende. Gesamtfahrstrecke 4926 km.

nach oben scrollen