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Unsere Tour de France 2004

Pyrenäen

Auf in die Berge

Wir hatten wieder kein Frühstück im Hotel bezahlt (3,50 € p.P.) sondern holten unsere Vorräte und den Kocher aus dem Auto und frühstückten auf der Picknickbank vor dem Hotel. Im Supermarkt stockten wir unser Proviant auf für den Bergtrip. Dann machten wir uns auf den Weg in die Pyrenäen. Es war die 12.Etappe nach La Mongie am nächsten Tag zu der wir wollten. PasshöheIm Bergort St.Marie-de-Campan, wo der Weg nach La Mongie abzweigt, fuhren wir erstmal in diese Richtung um zu schauen wie dort die Situation ist. Aber nach ein paar Kilometern bergauf wurde klar, hier ist schlecht ein Fleckchen zu bekommen und die guten Stellen waren lange besetzt. Also machten wir gleich kehrt und fuhren in Richtung Col d'Aspin, dem zuerst bevorzugten Ziel. Wir fuhren die spätere Abfahrt der Radfahrer hinauf, selbst da standen schon einige Wohnmobile. Wir ahnten nichts Gutes was die Stellplätze betrifft, zumal wir die Örtlichkeiten auch nicht kannten. Oben war dann doch eine Art Plateau wo auch schon Zelte und Autos standen. Wir fuhren trotzdem noch ein Stück auf der anderen Seite bergab. Aber auch dort waren die guten Plätze schon belegt. Also fuhren wir wieder aufs Plateau und fragten dort nach einem Platz für Auto und Zelt. Das war recht gut organisiert, es gab ausgewiesene Flächen für Autos, Zelte, Wohnmobile, Rotes Kreuz, Fernsehen usw. Das Zelten kostete 5 €, es heißt wohl das es normalerweise nichts kosten unbezahlbarer Blick ins Talsollte, aber dafür das man die Bergweiden zerfurcht und Müll hinterlässt ist es schon in Ordnung. Wir suchten uns einen halbwegs erträglichen Standplatz zwischen Kuhfladen auf der 20° steilen Wiese. Dafür kriegten wir einen unbezahlbaren Ausblick ins Tal, mit Sicht auf die aufsteigende Straße (Panorama). Wir machten Mittag und genossen erstmal das schöne, wenn auch sehr heiße Wetter. Später machten wir dann einen Rundgang und stiegen auch mal ein wenig auf den Hang hinauf. Wir lernten ein paar Radsportfans aus dem Erzgebirge kennen, die wir gleich etwas nach ihren Erfahrungen mit der Tour ausfragten. Man kann immer von so was profitieren, fest in der Hand der Baskenauch wenn's nur kleine Tipps sind. Abends versuchten wir so ein Einmal-Pocketgrill in Gang zu bringen, was aber wegen dem heftigen Wind scheiterte. Wir brutzelten dann was in der Pfanne, etwas Rotwein dazu, was will man mehr. Nach 22 Uhr waren wir noch mal unten an der Imbissbude und am Feuer was dort brannte. Wir beobachteten die Tour Techniker, die die Bergwertung aufbauten. Hinter unserem Zelt war sowieso noch Partystimmung der baskischen Jugend, so das noch nicht an Schlaf zu denken war. Das Schlafen war dann auch anstrengend, weil man alle 2 Stunden aufgrund des Gefälles im Zelt runtergerutscht war und sich erst wieder neu ordnen musste.

11.Etappe     Moncoutié   McEwen
St.Flour - Figeac     Voeckler   Virenque

Am Morgen musste man feststellen, dass es manche über Nacht nicht geschafft haben ihre Notdurft weiter wegzubringen als vor das eigene Zelt. Das muss man sich mal vorstellen, den Hunden bringen sie bei nicht in die Wohnung zu sch***en und selber... Na jedenfalls machten wir Frühstück und bauten dann unsere Stühle auf der Böschung an der Straße auf. Wir hatten am Vortag noch ein Paar aus kurz vor der AnkunftBrandenburg kennen gelernt, mit denen saßen wir da jetzt an der Straße und abwechselnd im Schatten am Zelt. Die meisten Leute bauten dann schon ihre Zelte ab und suchten sich einen Platz an der Straße. Wir verstauten auch unsere Sachen, ließen das Zelt aber stehen. Nach dem Mittag kamen dann die ersten Wolken über den Berg gezogen. Wir waren aber guter Dinge das es heute nicht regnen würde. Als es doch anfing waren es noch etwa 3 Stunden bis zur Ankunft der Fahrer - es hört bestimmt bis dahin wieder auf. Wir hockten im glücklicherweise noch nicht abgebauten Zelt, gingen bloß mal kurz zur Werbekarawane raus und erwischten eine Winkehand und andere Kleinigkeiten. Es hörte nicht auf zu regnen. Wir sahen schon die ersten Fahrzeuge der ersten Fahrergruppe die Straße hochkommen und es regnete immer noch. Wir gingen mit Schirm vor an die Böschung. Es istdie Gruppe der Favoriten eine unglaubliche Spannung bevor die ersten Fahrer kommen. Man sieht schon lange die Autos und die Hubschrauber aber es dauert unendlich lange bis sie da sind. Als Spitzenreiter kam Rasmussen auf dem Aspin an, gefolgt von der ersten Gruppe mit allen Favoriten. In dem Moment hörte es auch endlich auf zu regnen und wir konnten den Rest des Feldes ohne Schirm beobachten. Hinter Rasmussen sprinteten Virenque und Moreau um die weiteren Bergpunkte. Nachdem das Schlussfahrzeug durch war, setzte sofort die Abreise der Fans ein. Unter Umständen hat man so noch Glück und es geht ohne Stau ab. Da wir sowieso eingeparkt waren hatten wir Zeit (Merke: so parken das man immer schnell rauskommt!). Das Zelt trocknete schnell in der Sonne die sich wieder zeigte. Neben unserem Auto saßen noch ein paar Franzosen vor dem Fernseher und sahen sich den weiteren Verlauf der Etappe an. Wir schauten auch noch das Finale der Etappe an und den Moment als sie Ulle "stehen" ließen. die Fahrer sind durchNachher war unser Auto frei, wir packten den Rest zusammen und fuhren bergab. Das letzte Drittel des Weges bis zur Hauptstraße im Tal war Stau, aber das ist ganz normal wenn jeder unten am Stoppschild halten muss und kein Polizist weit und breit mal den Verkehr regelt und den Stau entschärft. Aber das haben wir später noch öfter gemerkt. Vorher ist alles abgesichert und gesperrt mit Dutzenden Polizisten, wenn die Tour durch ist, kann man zusehen wie man am besten wegkommt. Wir fuhren in Richtung Col de Portet d'Aspet, zur nächsten Etappe mit Ziel auf dem Plateau de Beille. Bis dahin hatten wir keine Ahnung wo wir Übernachten wollten. Jedenfalls wollten wir nicht aufs Plateau rauf. Wir fuhren ein ganzes Stück den Verlauf der Etappe entlang. Das klappt ja aufgrund der Ausschilderung der Tourstrecke einen Tag vorher ganz prima. Überall waren die gelben Richtungspfeile, wir haben aber keinen abgemacht bevor nicht die Tour durch war, obwohl es verlockend war. Das sollte man nicht machen, aber daran halten sich bestimmt nicht viele. Die Etappe führte durch viele kleine Dörfer am Rande der Pyrenäen, die bei der Gelegenheit oftmals eine neu asphaltierte Straße bekamen. Selbst an eher unbedeutenden Bergen wie dem Col des Ares oder Col de Buret standen an diesem Vorabend schon die Wohnmobile oder Zelte. Das hätte ich so nicht erwartet.Gedenkplatte Fabio Casartelli Wir fuhren letztlich den Col de Portet d'Aspet rauf, hielten mal kurz an der Gedenkplatte für Fabio Casartelli und dem Denkmal was erst am nächsten Tag enthüllt wurde. Oben auf dem Pass war, wie für uns gemacht ein Zeltplatz, der sich mit großen Hinweisschildern und Imbissangebot gut auf den größeren Ansturm vorbereitet hatte. Der Zeltplatz war terrassiert mit Rasenstellplätzen, Dusche und WC war in Ordnung (8 €). Wir bauten unser Zelt auf und ließen den Abend im Restaurant bei Pizza und Wein ausklingen.

12.Etappe     Basso   McEwen
Castellsarrasin - La Mongie     Voeckler   Virenque

Denkmal Fabio CasartelliDer nächste Morgen begann unruhig, draußen war schon reger Verkehr. Die Zeltplatzbetreiber haben den Platz auch gleich als Tagesparkplatz vermietet und da zeigte sich wieder das die Franzosen nicht Auto fahren können. Weil es auf die oberste Terrasse sehr spitz und steil um die Kurve ging, wussten einige nicht wie sie das anstellen sollten. Kurzerhand wurde unser neben dem Zelt stehender Tisch samt Stühlen beiseite geräumt und dort geparkt. Wir haben zwar gleich ordentlich unseren Unmut darüber kundgetan, aber das haben die Franzosen wohl eh nicht verstanden. Aber man muss sich ja nicht gleich alles gefallen lassen. Auch die Parkordnung ließ zu wünschen übrig, es wurde sich einfach hingestellt, egal ob man so Platz verschwendet oder nicht. Erst als ein Einweiser vom Zeltplatz kam, ging's reibungsloser. Wir frühstückten trotzdem gemütlich und machten uns dann auf den Weg an die Strecke. Ca. 1 km liefen wir von der Bergwertung aus bergab, an eine Kurve wo man die Fahrer auch schon von der vorhergehenden Kurve aus kommen sah. Dann warteten wir auf die Werbekarawane, um mehr Chancen zu haben was abzubekommen verteilten wir unsere Positionen etwas. Diesmal bekamen wir auch die verschiedensten Dinge vor die Füße geworfen, Schlüsselanhänger, Rosinenkuchen, Cracker mit Käsedip, am spendabelsten waren die Leute vom Champion Supermarkt mit den rot gepunkteten Kappen, da hatten Kunstwir zu Ende der Tour bestimmt 5 Stück von. Dann ging's wieder relativ schnell, die Tourfahrzeuge kamen in dichterer Folge, Gendarmerie und Teamautos. Die erste Gruppe mit Voigt und Chavanel kam mit 4 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld, dazwischen war noch Rasmussen. An der Stelle, wo wir standen, hatten wir auch relativ viel Platz so konnte man auch ein Stück mit rennen, wenn man wollte. Dann kam das Feld unter Führung von US Postal, einige abgehängte Fahrer und die Karawane von Teamfahrzeugen, das war's, wir konnten den Rückzug antreten. Am Auto machten wir noch ein Picknick bevor wir uns ins Tal und Richtung Autobahn aufmachten. Die Fans, die an der Ausfahrt vom Zeltplatz saßen, verabschiedeten jedes Fahrzeug euphorisch. Wir kamen gut den Berg runter und auf die Autobahn Richtung Carcassonne. Dort kamen wir gegen 17 Uhr an und steuerten, wie könnte es anders sein, das Formule 1 Hotel an (30 €). Das war entgegen unseren Befürchtungen nicht Abend in Carcassonneausgebucht, immerhin startete die nächste Touretappe hier, und wir bekamen schnell ein Zimmer. So konnten wir im Fernsehen das Finale der Etappe auf dem Plateau de Beille sehen. Ich glaube, dass die Formule 1 Hotels unter dem Standard der Tour für Übernachtungen liegen. Wir sahen nur japanische Journalisten und ein paar Haribo-Leute aus der Werbekarawane im Hotel. Abends unternahmen wir noch einen Ausflug ins Zentrum um schon mal die Lage des Fahrerlagers auszuchecken. Die Schilder waren schon angebracht und die letzten Pkws aus der Parkverbotszone wurden abgeschleppt, so dass der Aufbau beginnen konnte. Wir fanden noch ein Restaurant am zentralen Platz wo es sogar Live-Musik gab.

13.Etappe     Armstrong   Hushovd
Lannemezan - Plateau de Beille     Voeckler   Virenque

CarcassonneCarcassonne ist bekannt für die komplett erhaltene mittelalterliche Stadt mit Befestigungsanlage. Diese liegt auf einem Hügel, etwas am Rande der eigentlichen „neuen“ Stadt. Einen guten Blick darauf hat man von der alten Brücke aus Richtung Stadtzentrum sowie von der Autobahn aus, wo es extra einen Parkplatz gibt. Wir parkten notgedrungen auf dem kostenpflichtigen Platz an der Festung, weil es im Zentrum sonst schwierig würde das Auto abzustellen. Außerdem hatten wir vor, uns am Nachmittag dieses UNESCO Weltkulturerbe anzusehen. Von der Cité Medievale waren es 20 min Fußweg zum Tourstart. Man überquert eine ebenfalls mittelalterliche Brücke. Wir waren ca. zweieinhalb Stunden vor dem Start da und es war schon wieder proppevoll. Um einen Platz an der Bühne zu bekommen muss man sich wohl schon 7 Uhr hinstellen, entspannter Lanceaber dazu hatten wir keine Lust. Wir umrundeten das ganze abgesperrte Areal von Fahrerlager und Village du Tour (dem Servicebereich für Presse und VIPs) und stellten uns an den Zaun, wo die Busse später stehen würden. Und wieder hatten wir glücklicherweise einen guten Griff gemacht. So nach und nach kamen die ersten Teams und bauten sich auf. Die Techniker bereiten die Räder vor und Presse und Fernsehen versuchen noch Interviews zu bekommen. Viele Fahrer fahren sehr zeitig zum Einschreiben, andere erst kurz vor knapp. Wie gesagt, wir standen recht günstig, denn vor uns war die Straße, die frei bleiben musste um zum Start zu kommen. So kamen eben viele Fahrer direkt an uns vorbei gefahren, weil das einfacher ist als sich durch die Busse zu schlängeln. Auch Lance ArmstrongCité Medievale kam vorbei und war sehr gut gelaunt. Vielleicht hätte er sogar sein Buch signiert aber das hatte ich im Rucksack, wer rechnet denn mit sowas, ging auch ziemlich schnell. Dann rollten die Fahrer zum Start und es ging wieder los, da war keine Chance mehr hinzukommen bei den vielen Leuten. Hier hatte sich auch die Polizei affig mit den Absperrungen, sie hatten wohl noch keine Genehmigung diese zu öffnen, obwohl alle Fahrzeuge durch waren und sich auf der anderen Seite die Leute längst selbst Platz geschaffen hatten. So kam ich „zu spät“ zu einem Richtungspfeil am Straßenschild, da machte sichCité Medievale schon ein Franzose drüber her. Er kam aber nicht ran, weil das Schild mit einem Stahldraht festgezwirbelt war. Ich ging mit meiner Zange hin und deutete an, dass ich es nehmen würde. Da winkte er ab, gut dann sieh zu wie du es abbekommst, mit meiner Zange nicht. Er schimpfte und rief uns was hinterher, aber warum sollten wir nicht mal rücksichtslos sein, wenn man einige rücksichtslose Franzosen erlebt. Wir liefen wieder zurück zur Mittelalterstadt. Diese ist komplett umschlossen von zwei Mauern mit Türmen. Es ist im Grunde eine Stadt für sich, mit Kirche, Schloss, engen Gassen und Plätzen. Man gelangt über die Zugbrücke durch die äußere Mauer. Zwischen äußerer und innerer Mauer kann man herumlaufen, es gibt hier und da interessante Blicke über die "neue" Stadt. Blick über CarcassonneDie Cité Medievale an sich kostet keinen Eintritt, nur wenn man das Schloss, die Kirche oder Museen besuchen will. Das Geld kann man aber auch so loswerden in einem der vielen Restaurants oder Souvenirshops. Nachmittags fuhren wir dann noch weiter, es lockte das nahe gelegene Mittelmeer. Wir landeten in Marseillan-Plage, einem typischen Urlaubsort kurz vor Montpellier. Eine Strandpromenade mit jeder Menge Shops und Restaurants, dahinter Wohnbunker, Zeltplätze und Vergnügungspark. Wir fanden einen Zeltplatz zwei Straßen vom Meer weg, der uns notgedrungen 22,66 € abnahm für eine Übernachtung. Von der Ausstattung her wäre er auch nicht mehr wie 8 € wert gewesen. Man bezahlt halt die Lage am Mittelmeer teuer dazu. Ich möchte nicht wissen, was ein Platz direkt hinter der Düne kostet. Definitiv kein Ort für 14 Tage Urlaub, für uns jedenfalls nicht.

14.Etappe     Gonzalez   McEwen
Carcassonne - Nimes     Voeckler   Virenque

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