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Russland

St. Petersburg

Peterburi 265 km, so stand es unterwegs geschrieben an der Straße von Tallinn aus. Wir sind also angekommen in der Stadt an der Newa, haben uns erfolgreich durch den Verkehr gekämpft - obwohl der Feierabendverkehr in einer deutschen Großstadt sicher nicht anders ist.

Alltag auf dem Newskij Prospekt

Allerdings ist man ohne GPS-Navi aufgeschmissen. Wir nutzten hierfür die Offline Navigation der HERE WeGo-App. Nicht alle Straßenschilder sind gleichzeitig in Englisch beschriftet - immerhin gibt es einige davon. Die rein russische Beschilderung kann man im Vorbeifahren nicht so schnell lesen. Auf der Fernstraße außerhalb der Stadt ist die Beschilderung weniger das Problem, das Fernziel ist meist klar. Dort ist man aber das Verkehrshindernis. Geschwindigkeitsbegrenzung ist nur ein grober Richtwert. Es wird zügig und ungeduldig gefahren. Ständig hat man einen Verfolger an der Stoßstange kleben. Einmal waren sogar zwei nebeneinander hinter uns her. Es wird auch gerne rechts auf dem Randstreifen oder der Ausfädelspur überholt, weil Gegenverkehr ist. Da wundert es einen nicht das es so viele Unfallvideos aus Russland gibt. Allerdings können wir sagen, wir haben direkt keinen Unfall gesehen und fühlten uns auch nicht unsicher im Verkehrsfluss. An rote Ampeln wurde sich gehalten, wenn auch innerorts die Geschwindigkeit auf Petersburgs großen Straßen höher war als vielleicht bei uns in der Stadt. Als Fußgänger schaut man lieber einmal mehr als zu wenig nach rechts und links. Aber wie gesagt: wir hatten auch dabei kein unsicheres Gefühl auf der Straße.

Unser Hotel war ein renovierter Altbau auf der Petrograder Insel. Parken konnte man kostenfrei auf der Straße direkt davor und wir waren das einzige deutsche Auto weit und breit. Von dort konnten wir zu Fuß vieles erreichen oder die Metro nehmen. Restaurants waren einige in der Nähe und in denen mit viel Touristenverkehr wird auf jeden Fall englisch gesprochen. Aber auch in St. Petersburg trifft man hin und wieder Leute, die kein Englisch verstehen. So hatte die Inhaberin der kleinen Kneipe im Hof beim Hotel eine übersetzte Speisekarte in der Schublade, die sie uns gab, nachdem wir ratlos in das russische Menü geschaut haben.

Was wir im Fazit sagen können: St. Petersburg ist eine wunderschöne Stadt, nicht die typische russische Stadt. Man kann sie eher mit Paris vergleichen - breite Boulevards und prächtige Bauten. Die Stadt ist groß, da ist schnell mal ein Kilometer oder mehr zu laufen. Man unterschätzt das total, wenn man nur den Stadtplan betrachtet. Die Häuserblocks sind riesig, wenn man nur ums Viertel läuft. Die nächste Fußgängerampel ist manchmal ein 200 m langer Umweg. Die Straßen sind breit und die Rotphasen dafür sehr lang.

Kreuzer Aurora

Das erste Ziel in St. Petersburg war für uns der Panzerkreuzer Aurora. Was mussten wir im Russischunterricht früher darüber hören und wissen. Das wir jetzt einmal davor standen und ihn besuchen, hätten wir auch nicht gedacht. Der Kreuzer liegt nach seiner Restauration seit 2016 wieder festgetaut am Newa-Ufer. Je nach Tageszeit und Besucheraufkommen ist mit einer Wartezeit an der Kasse zu rechnen. Sicher können sie auch nicht unbegrenzt Besucher aufs Schiff lassen. An der Kasse wird zwischen (ausländischem) Tourist und Einwohner der Russischen Föderation unterschieden. Heißt, es gibt einen höheren Preis für Touristen. Man kann das ja nachvollziehen, weil die Verdienste in Russland sicher geringer sind. Aber im Sinne der Gleichbehandlung halte ich das für nicht richtig. Man stelle sich dieses Szenario mal in Deutschland vor. Gelesen habe ich außerdem, dass es eigentlich ein Gesetz gegen unterschiedliche Eintrittspreise gibt, angewandt wird es scheinbar trotzdem noch. Der Eintrittspreis für uns war jedenfalls 700 RUB (p.P), Kinder 400 RUB. Die unterschiedlichen Eintrittspreise begegneten uns noch bei anderen Einrichtungen.

Matrose auf dem Kreuzer Aurora

Das Schiff ist heute ein Denkmal und immer noch der Stolz der russischen Marine. Es schieben eine ganze Reihe Matrosen Dienst darauf und halten es in gutem Zustand. Man kann im Unterdeck eine Ausstellung zur Geschichte mit Gemälden, Uniformen, Waffen, Dokumenten und Fotos betrachten. Der Stapellauf war 1900 und das Schiff tat zu Beginn seinen Dienst im Pazifik, später in der Ostsee. Auf dem Oberdeck ist der wichtigste Teil das Buggeschütz und die Funkerkabine. Das Buggeschütz gab am 7. November 1917 (25. Oktober nach dem damals noch gültigen julianischen Kalender) den berühmten Schuss ab - das Zeichen an die Aufständischen den Winterpalast des Zaren zu stürmen. Danach wurde der Funkspruch über den Beginn der Revolution an ganz Russland herausgegeben. So steht es in den Geschichtsbüchern geschrieben. In Realität lief das Ganze wohl nicht so dramatisch ab, der Winterpalast war unverschlossen und die Minister ließen sich ohne Gegenwehr festnehmen. In Folge dessen übernahmen die kommunistischen Bolschewiki unter Führung Lenins die Macht. Es gilt als Beginn der Oktoberrevolution, die zur Gründung der Sowjetunion führte.

Winterpalast - Eremitage

Wir besuchten die Eremitage an zwei Nachmittagen. Das war ganz angenehm, für jeweils 2-3 Stunden Kunst, dann hatten wir für einen Tag sowieso genug. Außerdem waren draußen 30 °C, drinnen aber teilweise klimatisiert. Die Eremitage ist das Museum, welches sich im Winterpalast und benachbarten Gebäuden befindet. Im Vorfeld hatten wir ein 2-Tages-Ticket (um 20 €) gebucht, mit dem man an aufeinanderfolgenden (!) Tagen das Museum besuchen kann. Der Barcode wird dafür nur noch gescannt. Kinder haben freien Eintritt, benötigen aber vom Infoschalter ein Freiticket zum Betreten des Museums. An diesen Nachmittagen war allgemein wenig los im Museum. Es wird ansonsten empfohlen sich das Ticket an den bereitstehenden Automaten zu kaufen, wenn an den Kassen zu lange Schlangen sind. Zudem bietet das Internet die Möglichkeit sich Tickets vorab zu buchen. Dieser Service ist zwar mit einem Preisaufschlag verbunden, was aber beim diesem Komfort vertretbar ist.

Barocker Treppenaufgang im Winterpalast

Es gibt eine wohl unermessliche Anzahl an Kunstschätzen in der Eremitage - Gemälde, Skulpturen, Kunstgewerbe und nochmals Gemälde. Wir benutzen als Anhaltspunkt den kostenlosen Museumsplan mit seinen dargestellten Highlights, die man gesehen haben sollte. Jeder Raum ist nummeriert und nach kurzer Eingewöhnung fällt die Orientierung nicht schwer. Sehenswert ist im Winterpalast z.B. die große barocke Treppe im Eingangsbereich sowie die Zarengemächer, Repräsentationsräume, Zarenthron und die orthodoxe Kirche. Des Weiteren verfügt die Eremitage über eine beachtliche Anzahl Gemälde von Rembrandt und Rubens, zwei Gemälde von Leonardo da Vinci. Außerdem sahen wir uns die italienischen Meister an, uns fiel sofort das Gemälde „Neumarkt mit Frauenkirche Dresden“ von Canaletto ins Auge. Auch sahen wir uns die deutschen Meister mit Bildern von Lucas Cranach dem Älteren an. Es gibt eine Archäologische Abteilung, altes Ägypten, Skulpturen (u.a. von Michelangelo) und viele weitere Kunstwerke. Beeindruckend ist auch die mechanische Pfauenuhr - sie wird einmal die Woche in Aktion gezeigt, sonst sieht man ein Video wie sie funktioniert.

Peter-und-Paul-Festung

Die Festungsanlage aus dem 18. Jh. gilt als Ursprung der Stadt, auf der sogenannten Haseninsel gelegen, erreicht man sie über zwei Brücken von der Petrograder Insel aus. Die Insel an sich ist kostenfrei zu betreten um darüber zu spazieren oder bspw. den Strand an der Newa zu nutzen. Möchte man die Kathedrale oder Museen besuchen benötigt man Tickets. Wir lösten ein Kombiticket für alle Einrichtungen auf der Insel, dieses galt sogar wieder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, 600 RUB, Kind 350 RUB. Wir besuchten die Kathedrale und das Gefängnis. Die Peter-und-Paul-Kathedrale ist mit ihrem hohen goldenen Turm eines der Wahrzeichen Petersburgs. In ihrem prunkvollen Innenraum sind eine Vielzahl an Herrschern Russlands und deren Familie beigesetzt. Auch die Sarkophage von Katharina II. der Großen (1729-1796) und die letzte Zarenfamilie um Nikolaus II. (1868-1918) fanden dort ihre letzte Ruhe. Nach Abdankung und Exil 1917 wurden Nikolaus und seine Familie 1918 in Jekatarinenburg ermordet. Die Gebeine brachte man erst 1998 nach St. Petersburg.

Marmorsarkophag von Katharina II. der Großen

Das Gefängnis wurde oft für politische Gefangene benutzt, sei es während der Zarenzeit oder später unter kommunistischer Herrschaft. Auch Lenins Bruder Alexander Iljitsch Uljanow und Maxim Gorki oder Fjodor Dostojewski saßen dort ein. Eindrucksvoller Rundgang innerhalb der mächtigen Mauern der Festung.

Auferstehungskathedrale - Blutskirche

Diese Kirche ist eines der Wahrzeichen St. Petersburgs. Mit seinen farbigen Zwiebeltürmchen findet man sie an einem Kanal unweit des Newskij Prospekt. Sie ist heute ein Museum der Mosaikkunst. Nach jahrzehntelanger Restauration erstrahlt der Innenraum in prächtigen Glanz. Alle Wände und Deckengewölbe sind bedeckt mit Mosaik. Sehr beeindruckender Besuch, Eintritt 250 RUB, Kind 50 RUB.

Mosaik im Innenraum und Gewölbe der Blutskirche

Newskij Prospekt

Im Anschluss an den Besuch der Blutskirche bietet sich ein Bummel auf dem Newski-Prospekt an, jener Prachtmeile des Shoppings. Wir ließen uns treiben, besuchten ein Schnellrestaurant der russischen Kette Чайная ложка (Teelöffel). Dort war man ebenso wie bei Teremok spezialisiert auf Blini - russische Plinsen (eine Art Crêpes) mit verschiedenen Füllungen. Als wir unschlüssig auf das Menü schauten und schon die anderen Kunden aufhielten, gab uns eine aufmerksame Mitarbeiterin die englische Version der Karte. Dann ließ sich wesentlich einfacher bestellen. Man bekommt eine Nummer und wenn das Essen fertig ist wird es an den Tisch gebracht.

Arkaden des Einkaufszentrum Gostvinyj Dwor

Das Einkaufszentrum Gostvinyj Dwor auf der anderen Straßenseite ist ein Komplex, der einen ganzen Straßenblock umfasst. Man findet dort Geschäfte aller Art, Alltagsbedarf aber auch gute und hochwertige Souvenirs. Oftmals sind die Geschäfte im Stile eines guten alten Kaufhauses zusammengefasst, wie man es von früher kennt. Es lässt sich unter seinen Arkaden prächtig schlendern.

Isaakskathedrale

Die goldene Kuppel der Isaakskathedrale lockte auch uns an, sie erinnert ein wenig an den Petersdom in Rom. Die Kathedrale ist erst 2017 wieder der Russisch-Orthodoxen Kirche übergeben worden. Man benötigt zwei Tickets um den Innenraum und die Kuppel zu besuchen. Wir entschieden uns für beides. Für den Abendeinlass wird die Kasse kurz geschlossen und nach einer halben Stunde wieder geöffnet. Der Besuch ab 18 Uhr war zudem auch teurer wie tagsüber. Eintritt Innenraum 400 RUB, Aussicht 400 RUB - Kinder voller Preis. Der Innenraum ist mehr ein Museum als Kirche. Gottesdienste finden nur zu besonderen Anlässen statt. Etliche Kunstwerke sind neben dem reich verzierten Kirchenraum zu sehen, sowie Wissenswertes zum Bau der Kathedrale. Die Aussichtsplattform befindet sich am unteren Teil der Kolonnanden der Kuppel, also etwa in halber Höhe. Es reicht aber aus um eine tolle Aussicht auf die Stadt zu genießen.

Aussicht von den Kolonaden der Isaakskathedrale

Schloss Peterhof

Schloss Peterhof am Finnischen Meerbusen ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten St. Petersburgs. Dementsprechend ist auch der Besucheransturm, vor allem wohl im Sommer. Das sollte einen aber nicht davon abhalten Peterhof zu besuchen, es lohnt sich für den Unteren Park auf jeden Fall. Da wir unseren Aufenthalt in der Stadt um einen Tag verlängert hatten, konnten wir auch die Gelegenheit nutzen und mit dem Водоходь, dem Tragflügelboot nach Peterhof zu fahren (Video). Die Ablegestelle ist direkt am Ufer vor der Eremitage. Die ersten Boote fahren gegen 9.30 Uhr. Es ist kein preiswertes Vergnügen, aber seinen Preis wert, würden wir sagen. Diese Tragflügelboote stammen wohl aus den 1970er Jahren. Man kommt sich vor als wolle das Ding zum Mond fliegen. Es dröhnt und rappelt, aber wenn es in Fahrt ist, fliegt es nur so unter den Brücken hindurch. Die Boote legen nach ca. 30 min Fahrt an einem modernen Pier direkt vor dem Park an. Dann hieß es erst einmal Schlange stehen, die Kassen für den Park waren schlecht organisiert. Das Ticket war auch dort für Touristen wieder teurer als für Einheimische. Erwachsene 900 RUB, Kinder bis 16 Jahre frei. Hierbei ist zu beachten, dass es für den einmaligen Eintritt zum Park gilt. Möchte man auch das Schloss besuchen verlässt man den Park und müsste für die Rückkehr zum Schiff erneut Eintritt bezahlen. Das sollte man vorher wissen, um so seinen Hin- oder Rückweg evtl. mit der Metro und dem Bus zu machen.

Große Kaskade im Park Schloss Peterhof

Schloss Peterhof war die Sommerresidenz Zar Peters I. Er selbst war bei der Planung der Palast- und Parkanlage mit den Wasserspielen maßgeblich beteiligt. Die Wasserfontänen im Park sind wirklich einmalig schön. Die goldenen Wasserspeier, Skulpturen und Brunnen glänzen wundervoll in der Sonne und die Spielarten der einzelnen Fontänen sind beeindruckend. Es waren an diesem Sommertag über 30 °C, der weitläufige Park bot aber auch genügend schattige Bäume. Wir beschränkten uns jedoch auf den Besuch des Parks und ließen das Schloss links liegen. Trotz der vielen Besucher, verlaufen die sich im Park recht gut, so dass es auch ruhige Plätze gibt. Aber direkt an der Großen Kaskade z.B. schiebt sich eine Reisegruppe nach der anderen vorbei.

Katharinenpalast

Natürlich wollten wir uns auch das Bernsteinzimmer ansehen, was seit 2003 wieder rekonstruiert zu sehen ist. Es befindet sich im Katharinenpalast im Ort Zarskoje Selo (Zarendorf), auch Puschkin genannt. Der Ort ist etwa 30 km außerhalb St. Petersburgs und wir steuerten ihn auf unserer Rückreise an. Der Ort an sich ist relativ leicht zu finden, dort folgt man dann den Wegweisern „Palaces“. In einer Nebenstraße fanden wir, günstig gelegen, auch schnell einen Parkplatz, ausgeschilderte, große Parkplätze haben wir auch gesehen. Man muss zuerst Eintritt für den Katharinenpark entrichten (300 RUB, Kinder bis 16 J. frei). Dann folgte die Ernüchterung: für Individualbesucher wurde die Kasse erst um 12 Uhr geöffnet. Vorher werden die ganzen Besuchergruppen, die mit Reisebussen aus St. Petersburg kommen durchgeschleust. Bei unserem Besuch war gegen 11 Uhr schon eine Warteschlange durch den halben Park vorhanden. Es hätte nach unserer Einschätzung mindestens 2 Stunden Wartezeit in der prallen Sonne bedeutet. Dann werden die Besucher gruppenweise, je nach Auslastung der Räume, eingelassen. Darauf hatten wir, selbst für das Bernsteinzimmer, keine Lust. Diese Reglementierung findet wohl nur zur Hauptsaison im Sommer Anwendung. Es ließ sich aber auch auf anderem Weg (Internet) vorher kein Ticket bekommen. Wir sahen uns deshalb im Park und den öffentlich zugänglichen Bereichen um. Der Katharinenpalast mit seiner 300 m langen barocken Fassade wirkt schon imposant. Anschließend bummelten wir entlang der wirklich enormen Anzahl Souvenirstände zurück zum Auto und machten uns auf die Reise Richtung Lettland.

Katharinenpalast in Zarskoje Selo/Puschkin

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