Dublin
Bevorzugtes Ziel bei Dublin war der Campingplatz Camac Valley Camping im Großraum Dublin. Er liegt an zwei Schnellstraßen (u.a. N 7), noch außerhalb des Motorway-Ringes, auf denen auch nachts der Verkehr kaum ruht. Auf der anderen Seite grenzt er an einen öffentlichen Park der Gemeinde Clondalkin. Dort gibt es auch Supermärkte, Tankstelle etc. Aufgrund der Lage an den Schnellstraßen ist der Platz von außerhalb recht gut zu finden. Die Lärmbelastung ist halt in einer Großstadt immer gegeben, man gewöhnt sich dran. Für unser Zelt fand sich ein Platz, Caravans oder Wohnmobile sollten in der Hochsaison besser reservieren. Es herrscht immer reges Kommen und Gehen. Camac Valley Camping ist ein großer, professionell geführter Platz mit allen Annehmlichkeiten, weitläufiges Gelände, kurzer gepflegter Rasen, Sanitäranlage sauber und in Ordnung sowie in entsprechender Anzahl vorhanden, großer Spielplatz usw. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder: 24,- € für die Nacht + 1,50 € für die Duschmarke. Insgesamt verbrachten wir die letzten vier Nächte unseres Irland-Aufenthaltes dort.
Den nächsten Tag nutzen wir für eine Tour in die Wicklow Mountains. Erstes Ziel sollte Powerscourt House bei Enniskerry sein. Trotz des guten Irland Straßenatlas (Ordnance Survey Official Road Atlas Ireland) fanden wir die richtige Route nicht. Es gibt um Dublin auch einfach zu viele Straßen. Egal, nach einigen Extra-Kilometern und auf unser Gefühl verlassend, fanden wir schließlich hin. Powersourt House and Gardens wird als großartige Attraktion angepriesen. Genau wie Powersourt House wurde Enniskerry im 18. Jh. von der Powerscourt Familie gegründet. Etwas außerhalb von Enniskerry führt eine Allee vom Eingangstor mit Kassenhäuschen zum Powerscourt House (€ 8,50 p. P). Durch das Haus hindurch betritt man die Gärten. Ich muss sagen: Uns hat es jetzt nicht direkt vom Hocker gehauen.
Es ist ohne Zweifel eine weitläufige, schön gepflegte Anlage mit verschiedenen Bereichen und Themengärten. Man sieht so was aber auch woanders genauso. Das Haus selber brannte 1974 komplett aus und wurde erst 1997 wiedereröffnet. Im Inneren findet man jetzt Shops mit überteuerten Produkten und ein Restaurant sowie Café. Wieder ein Stück entfernt liegt der Powerscourt Wasserfall, der höchste in Irland soll es sein. Wenn man mit dem Auto kommt muss man unweigerlich Eintritt bezahlen (5,50 € p. P.). Es kann möglich sein, dass man den Wasserfall bei einer Wanderung ohne Eintritt zu zahlen erreicht. Das Gelände des Wasserfalles bietet mit Picknickbänken und Spielplätzen für Kinder genug Platz zum Verweilen. Viele Iren nutzen das auch für ihren Sonntagsausflug.
Zurück in Enniskerry konnten wir die Lobpreisungen auf den Ort auch wieder nicht recht nachvollziehen. Sicher ein schöner, kleiner aber eben sehr touristisch geprägter Ort. Ihn als schönsten Ort Irlands zu bezeichnen würde ich nicht unterschreiben.
Am späten Nachmittag schauten wir uns noch die Klosterbezirk Glendalough an. Diese Anlage ist eine komplette Klostersiedlung mit ihrem Ursprung im 6. Jh. Der Rundturm ist 31 m hoch und ihn umgeben Kirche, Kathedrale, Friedhof mit Steinkreuzen und andere Gebäude, teils Ruinen. Das Besichtigen des Geländes ist jederzeit kostenfrei möglich. Das Visitorcenter hat von 9.30-18 Uhr geöffnet
und war bei unserer Rückkehr bereits geschlossen, möglicherweise kostet der Eintritt dort etwas. Die Siedlung liegt idyllisch in einem Tal nahe bei zwei Seen. Es gibt kurze und längere Wanderwege um die Seen oder man nimmt noch ein Boot zu einer Kirche im See. Am beeindruckendsten war aber für uns der Anblick der Klostersiedlung im Licht der untergehenden Sonne. Ein wirklich stimmungsvoller Anblick der die Bedeutung der Anlage unterstreicht. Rückfahrt zum Zeltplatz nach Dublin.
Von Vorteil des Campingplatzes ist der Punkt, dass die Dublin City-Sightseeing Busse (Hop on - Hop off) ihre Tour am Morgen (9.30 Uhr) am Platz beginnen. Mit einem solchen Ticket kann man an zwei aufeinander folgenden Tagen diese Busse benutzen. Die Hinfahrt ins Stadtzentrum dauert allerdings ein wenig, weil noch andere Stationen abgeklappert werden. Diese Art Stadtbesichtigung kann man durchaus mal machen, gerade wenn es direkt vor dem Zeltplatz angeboten wird. Bei unserem ersten Tag war anfangs das Wetter auch wieder mies - also fuhren wir erstmal die große Runde mit dem Bus ab. Die Kopfhörer für die Audio-Führung gibt es beim Busfahrer inklusive.
Wir stiegen schließlich bei der „Old Jameson Distillery“ aus. Im Nachhinein betrachtet würde ich davon abraten. Es ist eben so eine typische Touristenattraktion - das genaue Gegenteil einer privaten Brennereiführung wie wir sie mal in Schottland erlebt haben. Man bekommt einen schönen Imagefilm der Brennerei gezeigt und wird nachher durch die „Kulissen“ einer Destillerie geführt - kurz und knapp. Highlight ist für alle natürlich die Whiskeyprobe am Schluss der Veranstaltung, die wertet den happigen Eintrittspreis von knapp 20 € aber auch nicht nennenswert auf. Wobei man sagen muss, dass der Jameson Whiskey schon gut schmeckt. Wir haben nun nicht alle Sorten durchprobiert, aber dieser war schon einer der guten. Besonders die länger gelagerte Sorte „Special Reserve“ hat es uns angetan. So einen intensiven Geschmack hat nicht jeder. Aber ich schweife ab. Genauso soll übrigens auch die Führung im neuen Guinness Erlebniszentrum (Guinness Storehouse) ablaufen, also wer das sehen will sei gewarnt. Der Tourist ist eben mitunter die Melkkuh, ist schließlich auf Urlaub und soll schön sein Geld ausgeben, nachher ist er weg und man sieht ihn meist auch nicht wieder. Mit solchen „Attraktionen“ auch zu Recht.
Dublin ist eine, auf den zweiten Blick, liebenswerte Stadt. Man hat von ihr kein festes Bild im Kopf oder verbindet spontan etwas mit der Stadt wie bei anderen Hauptstädten. Man lernt Dublin aber kennen und lieben. Sicherlich besteht noch Verbesserungsbedarf bei der Sauberkeit, dazu gehört auch, dass man als Einwohner nicht alles einfach so wegschmeißt. Das Zentrum ist sehr kompakt und das meiste eigentlich zu Fuß zu erlaufen. Vielleicht liegt es daran, dass man so viele Besuchergruppen geballt sieht, weil es einfach kleiner ist wie anderswo. Wenn man mal von diesen oben beschriebenen Touristenattraktionen absieht, ist es eine sehr kulturelle Stadt in der man bei entsprechendem Interesse eine Vielzahl Museen besuchen kann. An Sonn- und Feiertagen sind die touristischen Einrichtungen meistens nur von 12-16 Uhr geöffnet. Alles andere hat geschlossen. Eintritt kostet es fast überall, sei es bei der Kirche 5,- € so sind es bei anderen Sachen gleich mal 12-18 €.
Wir schauten uns am ersten Tag noch die frei zugänglichen Bereiche im Dublin Castle an, den Innenhof und die Kapelle. In diesem Gebäudekomplex befindet sich auch das Rathaus. Als Ursprung der Stadt ist die Besichtigung sicher interessant. Man bekommt die Überreste wie Grundmauern aber nur bei einer Besichtigung der Staatsgemächer gezeigt. Man kann den Besuch schlecht planen - die Tickets dafür bekommt man aber nur am selben Tag der Besichtigung und nicht im Voraus. Wenn man Pech hat eben nur für eine bestimmte Zeit am Nachmittag und man muss somit noch mal wiederkommen. Dafür hatten wir dann allerdings keine Zeit mehr.
Weil wieder Regen einsetzte, schlossen wir unseren ersten Besuchstag in einem Café im Bezirk Temple Bar. Dort wurde auch schon am Nachmittag Musik gemacht. Dieses Viertel ist so was wie das Vergnügungsviertel unten am River Liffey. Neben zahlreichen Cafés, Restaurants, Bars und Souvenirshops gibt es auch die mehr oder weniger ausgefallenen Läden zum Bummel und Shoppen. Unten am Fluss ist auch eine Haltestelle der Buslinie, die zurück zum Zeltplatz fährt. Mit dem Linienbus ist man auch knapp 45 min unterwegs.
An unserem zweiten Besuchstag starteten wir am Trinity College. Tags zuvor hatten wir ein Schild gesehen, welches auf eine studentische Führung inkl. „Book of Kells“ hinwies. Das interessierte uns nun doch. Für den Preis von 10,- € p. P. (Kinder haben sie großzügigerweise gar nicht berechnet) bekommt man von einem Studenten eine knappe Stunde lang eine Führung über das Campusgelände. Dieser erzählt aus studentischer Sicht Anekdoten und auch Historisches.
Anschließend kann man mit diesem Ticket die „Book of Kells“ Ausstellung ansehen - Schlange stehen am Einlass muss man aber trotzdem. Die Trinity College Bibliothek mit dem „Book of Kells“ kostet eigentlich auch schon 9,- € p. P. Das „Book of Kells“ ist mit seinen prächtig ausgestalteten Seiten eines der nationalen Kulturdenkmäler. Darum dreht sich auch die Ausstellung im Erdgeschoss. Für uns war das beeindruckendere eigentlich der riesige Bibliothekssaal im Obergeschoss mit seinem hölzernen Tonnengewölbe und einem unüberschaubaren Bestand an alten Werken. Der Long Room ist 64 m lang und 12 m breit, er beherbergt die 200.000 ältesten Bücher der College und erinnert einen sofort an einen Saal in Hogwarts bei Harry Potter.
Nach einem Spaziergang durch den Park St. Stephen's Green nahmen wir den Tourbus raus zu den Docklands. In dieses Viertel ist in den letzten Jahren viel Geld geflossen. Viele neue Geschäftsbauten, Kongresszentrum, Veranstaltungsarena usw. sind entstanden. Markant und ein neues Wahrzeichen ist die „Samuel Beckett Bridge“ über den River Liffey in Form einer Harfe, dem Nationalsymbol. Nach letzten Einkäufen im Stephen's Green Shopping Centre - schöner Glasbau - genehmigten wir uns ein letztes Guinness im Pub bei Temple Bar und fuhren wieder mit dem Linienbus zurück.
Mit dem Ticket des Tourbusses kann man natürlich auch wieder zum Zeltplatz zurück fahren - leider fährt der Bus aber nur bis 16-17 Uhr, glaube ich. Nachher ist man auf den öffentlichen Bus angewiesen, der auch bis in die Nacht fährt. Die Haltestelle ist ebenfalls direkt vor dem Zeltplatz. Man bekommt die Buspläne und Informationen wo man am besten einsteigt bei der Rezeption. Dazu heißt es immer, dass die Busfahrer nicht wechseln und man daher das Fahrgeld passend haben muss. Das stimmt so nicht ganz. Zahlt man z.B. zuviel bekommt man zwar kein Wechselgeld aber einen Fahrgutschein über den entsprechenden Betrag. Diesen löst man bei der nächsten Fahrt ein. Bei einem Tagesbesuch nützt einem das freilich nichts, ist klar. Das nur als Hinweis.
Die Auswirkungen der Finanzkrise bekommt man in Irland buchstäblich am Rande mit. Bei der Fahrt durchs Land fallen einem immer wieder „Investruinen“ am Straßenrand auf, sei es der private Eigenheimbau der nicht fertig wurde oder der größere Industriebau, der als Skelett am Stadtrand zu sehen ist. Darüber hinaus sieht man wiederum auch sehr prächtig gehaltene Einfamilienhäuser, kleine Schlösschen könnte man sagen. Dort stimmte scheinbar die Finanzierung. Ein Golfer in Castletownbere drückte es folgendermaßen aus: „Tell Mrs. Merkel: keep sending the money“. Der wird sich noch wundern, wenn sie alles zurückzahlen müssen.
Abschließend wäre noch zu sagen: Irland ist sehr touristisch entwickelt, überentwickelt an machen Orten wo es Highlights zu „verkaufen“ gilt. In „normalen“ Orten hingegen ist meist tote Hose und gar nichts los. Die Iren und Briten bringen es scheinbar nicht zu Stande eine ordentliche Dusche zu bauen, entweder es tröpfelt nur aus der Brause oder man muss den einzelnen Wasserstrahl suchen.